Am Montag und Dienstag, den 12. und 13. Mai 2003, wurden die ersten Feldversuche des Drei-Länder-Projekts durchgeführt: Dabei konnte eine Vielzahl nützlicher Erkenntnissen für die Vorbereitung der nächsten Reihe von Feldversuchen gewonnen werden. Diese sind für Juni diesen Jahres geplant und sollen wichtige Erkenntnisse hinsichtlich operativer Fragen und technischer Aspekte bei der grenzüberschreitenden Kommunikation liefern.
Das Ziel des Pilotprojektes ist es, "zu untersuchen, inwieweit (mobile) Kommunikationseinrichtungen nach dem Tetra-Standard auf operativer Ebene für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den für die öffentliche Ordnung und Sicherheit zuständigen Behörden und ihren Einsatzzentralen in der Grenzregion von Aachen, Südlimburg und Lüttich geeignet sind." Dies bedeutet, dass die Frage zu beantworten ist, ob die grenzüberschreitende Kommunikation mit der Tetra-Technolgie die internationale grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen der (Grenz-)Polizeien, den Feuerwehren, den Rettungsdiensten, dem Zoll und dem Katastrophenschutz signifikant verbessert. In der nun laufenden ersten Phase des Drei-Länder-Pilotprojektes werden zunächst lediglich die Sprechfunk- und die Notruffunktion untersucht.
Um die oben gestellte Frage zu beantworten, mussten zunächst die Voraussetzungen für die praktische Erprobung geschaffen werden. Zunächst wurden Experten der Tetra-Kommunikation aus den drei Ländern gebeten, eine für diese erste Phase geeignete systemübergreifende Schnittstelle (ISI) zu entwickeln, welche die drei Tetra-Systeme in Belgien, Deutschland und den Niederlanden miteinander verbindet. Danach wurde der erste Prototyp einer ISI in einem Laborumfeld getestet. Parallel dazu schrieben die operativen Kräfte der drei teilnehmenden Länder realistische Szenarien für eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Es gibt vierzehn monodisziplinäre Szenarien und ein multidisziplinäres Testszenario.
Während der Tests am 12. und 13. Mai wurden sowohl die ISI als auch die Szenarien erstmals einem Praxistest unterzogen. Es nahmen operative Kräfte aller teilnehmenden Organisationen der drei beteiligten Länder, die für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig sind, teil.
Bei den praktischen Tests konnten die operativen Kräfte in einem internationalen Sprechfunk-Verkehrskreis grenzüberschreitend mit anderen operativen Gruppen und den Einsatzzentralen ungeachtet ihres Standortes im Inland oder Ausland miteinander sprechen und dabei ihre eigenen Handsprech- oder Kfz-Funkgeräte nutzen. Dabei stellte sich heraus, dass es beachtliche Unterschiede in den operativen Verfahren bei der Nutzung des Sprechfunks zwischen den verschiedenen teilnehmenden Diensten und Ländern gibt. Bevor die nächste Testreihe durchgeführt wird, müssen diese Unterschiede bewertet, und - wenn erforderlich - der Inhalt der Szenarien entsprechend angepasst werden.
Der operative Test der ISI zeigt, dass noch Verbesserungen erforderlich sind. Es gab Hindernisse bei der Umsetzung der Szenarien, die durch eine weitere Feinabstimmung der verschiedenen Komponenten der ISI überwunden werden müssen. Obwohl die einzelnen Komponenten vorher getestet wurden und ordnungsgemäß funktionierten, gab es beim Zusammenspiel aller Komponenten der gesamten ISI einige Komplikationen, die dazu führten, dass nicht - wie vorgesehen - mit vier internationalen Gesprächsgruppen gleichzeitig kommuniziert werden konnte. Die Erfahrungen mit der ersten integralen ISI-Nutzung werden derzeit im Einzelnen mit dem Ziel bewertet, die Interaktion der Komponenten der ISI zu verbessern.
Nach umfangreichen und gründlichen Tests der Systemschnittstellen und ggf. Anpassung der Szenarien werden die operativen Kräfte auf der Grundlage der ersten Erfahrungen zur geplanten nächsten Reihe von Feldversuchen im Juni zusammen kommen. Der Abschlussbericht zum Pilotprojekt wird im Sommer 2003 vorliegen. Er wird Empfehlungen zu operativen, organisatorischen, rechtlichen und technischen Fragen der operativen grenzüberschreitenden Kommunikation und Zusammenarbeit enthalten.